Lesotho, wo andere Motocross oder Quad fahren…

Lesotho-_0865Lesotho, das „Königreich im Himmel“, ist das einzige Land der Welt, das ausnahmeslos auf einer Höhe von über 1000m über dem Meeresspiegel liegt. Weltabgeschieden, gastfreundlich und afrikanisch traditionell – so wirkt das Land ganz anders als das mit Elektro-, Stacheldraht und Mauern eingekleidete und europäisch-modernere Südafrika, von dem Lesotho vollständig umschlossen wird. Um es also vorweg zu nehmen: wunderschön – wenn auch für uns streckenweise das Härteste, was Mensch und Maschine auf der gesamten Afrikareise bisher zugemutet wurde.

Lesotho-_0984_1„Nein, dort könnt ihr mit _dem_ Auto nicht durchfahren“, sagte Michael mit großen Augen zu uns. „Da kommen nur 4×4 Autos durch – und von denen auch nur die hohen!“ Michael ist Gastgeber für jeden, der in Malealea -unserer ersten Station in Lesotho- übernachten will. Und selbst wenn Michael kein Basotho ist (so nennen sich die Bewohner des Landes), ist er ebenfalls äusserst gastfreundlich. Er lud uns kurzerhand auf Abendessen, Übernachtung und Frühstück ein! Ein tolles Fleckchen Erde dieses Malealea – abgeschieden, mit tollen Weitblicken und schönen Nahzielen „wenn da nicht die letzten sieben Kilometer wären“, die man auf unbefestigtem Terrain zurücklegen muss, um dorthin zu kommen. Hier waren vor allem Motocross-Maschinen und Quads unterwegs mit PickUp-Truck-Unterstützung als Begleitfahrzeug – und wir allein nur mit dem Micra mittendrin. Diese paar Kilometerchen und der wunderschöne „Gates Of Paradise Pass“ waren aber streckenmäßig noch unbedenklich, zumindest mit Blick auf das was da noch kommen sollte.

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Lesotho-_1054_1Michael gab uns also noch diesen entscheidenden Tipp für die Strecke „ihr wollt ja sicherlich nicht im Nirgendwo mit dem Auto steckenbleiben“, den wir auch unbedingt befolgen wolten – doch dann, dann waren wir am nächsten Tag doch an der falschen Stelle abgebogen… als der Teer verschwand, das Geröll immer gröber wurde und die Talabfahrten wie die Anstiege steiler und steiler, schauten wir wiederholt auf die Karte und beruhigten uns damit, dass es ja eine unwahrscheinliche Abkürzung sei. Ständig musste nun aber der Beifahrer aussteigen, um etwas Höhe zu gewinnen (solange ich Beifahrer war mit erstaunlicher Wirkung..) und um ausserdem den Fahrer beim Slalom wenigstens um die allergrößten Stücke der Geröllhalde herumzulotsen. Leider war das fotografisch nicht sonderlich gut festzuhalten.

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Lesotho-_1073_1Eigentlich war es dann schon fast beruhigend als er kam, der Point-of-no-return: eine so steile und geröllige Abfahrt, dass es die Bremsen bei Kriechgeschwindigkeit kaum schafften – wie sollten wir hier jemals wieder raufkommen? Ausgeschlossen. Nun ging es nur noch vorwärts – und irgendwie war der Kopf nun auch freier, weil ab sofort nicht mehr ans Umkehren zu denken war. Nur die Seilwinde, die ging mir nicht aus dem Kopf – die hatte ich letztes Jahr Andi übergeben „wir haben Afrika durchquert und das Ding nicht gebraucht, es nimmt ja doch nur Platz weg, zurück nach Deutschland damit“. Manchmal ist man doch zu voreilig, dachte ich – aber dieses sperrige, schwere Ding nochmals zehntausende Kilometer spazieren fahren? Ausserdem gibt’s hier eh kaum Bäume..

web-IMG_1125Einmal wurde es dann aber noch äusserst kritisch: Eine Geröllrampe, die wir auch mit Schwung zunächst nicht hochkamen. Vorauseilend deprimierend war dabei besonders, dass es ein einheimischer Motorradfahrer nicht hinauf schaffte, sondern abstieg und das Krad im ersten Gang schob. Ganz klar für uns: Ich stieg aus, mobilisierte alle Kräfte und schob den Micra an, während Patrick die Kupplung quälte und mit den Antriebsrädern Steine emporschleuderte, denen ich zudem noch ausweichen musste. Klingt dramatisch, war aber schnell vorbei. Nachdem das Auto wieder etwas Grip hatte, jagte es Patrick die Rampe hinauf und ich hatte einen schönen Spaziergang. Unterwegs interviewte ich noch den schiebenden Motorradfahrer bezüglich der Strecke: Nein, zurück fahren könnten wir nicht, diese Strecke wäre nicht
machbar mit unserem Auto – und vorwärts, vorwärts könnten wir es mit Glück schaffen. Der Karte-Wegsuche-Lesotho-3Mann war dabei sorgenvoller als ich. Erleichternd war aber die Kernaussage: das Schlimmste liegt hinter Euch, wenn gleich er mir nicht glaubte, dass wir tatsächlich die gesamte Strecke gefahren waren – aber wie sollten wir ansonsten hergekommen sein? 😉 Es folgten noch einige Berge und Flußtäler, die zu queren waren und schließlich schafften wir es nach Einbruch der Dunkelheit noch auf eine Hauptstraße zu kommen. Fast einen Tag brauchten wir für die letzten 50 Kilometer.

Bild rechts – Pfadfinden mit dem Auto: Jeder blaue Strich bedeutet ein zu durchquerendes Flusstal. Braune und weiße Wege sind eigentlich nur mit höheren Allradfahrzeugen zu befahren und oben rechts ist die hoffentlich erlösende gelb eingezeichnete Hauptstraße zu sehen. Als Ausschnitt seht ihr hier die letzten fünf von etwa 50 Offroad-Kilometern an Tag zwei in Lesotho.

web-IMG_1187Übrigens nicht nur Motocross, Quads und Allradfahrer haben hier ihren Spass – auch als tolles Mountainbike-Paradies möchten wir Lesotho einordnen. Am Abend trafen wir am Lagerfeuer dann tatsächlich noch eine Gruppe Mountainbiker, die an diesem Tag sicherlich mehr Kilometer als wir zurück legten. Wer vor reichlich Höhenmetern nicht zurückschreckt und beeindruckende Landschaften mag, ist hier goldrichtig – Berge, Canyons, Weitblicke, Wasserfälle und freundliche Menschen.

 

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Lesotho-P1247Die nächsten Tage in Lesotho bestaunten wir vor allem noch den Mohale– und den Katsestaudamm. Am Bau in den 90er Jahren waren auch deutsche Ingenieure beteiligt, so sieht man auch noch viele deutsche Autos aus dieser Zeit in Lesotho herumfahren. Das Wasser der Stauseen wird vor allem in Südafrika, in der Großregion Gauteng (um Johannesburg) für die Bevölkerung und auch für die wasserhungrige Industrie benötigt. Daher sind die Südafrikaner sehr an stabilen politischen Verhältnissen in Lesotho interessiert, was in den letzten Jahren ja nicht gerade zutraf. So marschieren innerhalb von kürzester Zeit südafrikanische Soldaten auf, um die Staudämmen zu sichern, wenn es in Lesotho auch nur ein bisschen rumpelt. Im Rahmen des „Lesotho Highlands Water Projects“ sind insgesamt fünf Talsperren geplant. Aktuell strömen durch den 80km langen Tunnel unter den Malotibergen zirka 30 Kubikmeter Wasser pro Sekunde – Südafrika möchte im Rahmen des Projekts mehr als die doppelte Fördermenge erreichen. Momentan stecken beide Länder aber wieder in Verhandlungen über Bedingungen des Deals. Dadurch, dass Südafrika die lesothische Währung stützt, betreiben sie zwar enorme subventionale Wirtschaftshilfe, aber Wasser hat in Afrika eben seinen Preis und das weiß man in Lesotho.

3000m-in-Lesotho_1899Wie das Wasser bewegten auch wir uns gen Norden wieder aus Lesotho heraus. Nur konnten wir keinen komfortablen Tunnel nutzen, sondern durften über viele Pässe und durch viele Täler fahren. So kamen wir sogar bis auf über 3000m über dem Meeresspiegel. Der Winter ist hier auch nicht zu verachten (siehe Schneestange auf dem Bild links), so befindet sich das einzige nennenswerte Skigebiet Afrikas ebenfalls in Lesotho. Wir kommen sicherlich wieder, dann aber bestimmt zum Radfahren und Wandern.

Nachdem die eigentliche Tapetour Africa bereits im letzten Jahr abgeschlossen wurde, machten sich Martin und Patrick dieses Jahr nochmals auf den Weg in Afrika.

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