Beim Zoll zwischen Mosambik und Zimbabwe

Unser wertvollster Besitz (neben dem Zündkerzenschlüssel für Andis Auto) und zugleich das täglich Brot an jeder Grenze ist das „Carnet de Passage„. Das ist ein DIN-A4-Block mit gelbem Titelblatt und 25 Seiten, von denen jede in drei logische Abschnitte eingeteilt ist, davon sind je zwei Abrißzettelchen. So weit klar? 😉

Diese Dokumentensammlung, vor der Reise angeschafft, vereinfacht ungemein die Aus- und Einreise, von Land zu Land, mit eigenem Auto – soweit die Theorie.

Voraussetzung für das alles ist natürlich, dass der zuständige Zollbeamte diese Art der Zettelsammlung schon einmal vor sich hatte. Bei der Ausreise aus Mosambik gerieten wir wieder einmal an einen Unwissenden. Sehr freundlich und im wahrsten Sinne zuvorkommend, riß der Staatbedienstete den falschen Abschnitt ab, stempelte eine Ein- anstatt eine Ausreise und überreichte uns das Dokument zurück. Nun waren wir laut Papieren zweimal nach Mosambik eingereist ohne zwischendurch ausgereist zu sein. Vor allem aber hätten wir damit zwei Ausreisestempel zu wenig – und am Ende des Jahres das Problem mit einigen tausend Euro Zollforderungen – denn der Zoll orientiert sich am damaligen Neupreis des Autos und nicht an den Anschaffungskosten, die sich in diesem Fall ja nur auf 120€ belaufen.

IMGP1952-Carnet-de-PassagesDem Herrn vom Zoll war der Fehler und die verzwickte Lage nicht beizubringen – es führte scheinbar kein Weg zum Ziel. Aber plötzlich drehte sich einer seiner Zollkollegen um und fragte in fließendem Deutsch, ob er denn helfen könnte – und ja, das konnte er tatsächlich! Zitodorinho, so sein Spitzname, war jahrelang in der DDR und erlernte den Beruf eines Ingenieurs. (Die DDR pflegte Beziehungen zu FRELIMO, der mosambikanischen Freiheitsfront, die gegen die portugisischen Kolonialherren kämpfte. Bis zu Beginn der 80er Jahre -Mosambik wurde 1975 unabhängig- gab es diese Verbindung.) Im Rahmen dieses Jointventures (das am Ende aber sehr rasch abgewickelt wurde), war unser neuer Freund für ein paar Jahre in der DDR und lernte durchaus fließend die deutsche Sprache. Eine ebenso interessante wie hilfreiche Begegnung.

Unsere Zollprobleme lösten sich so innerhalb kürzester Zeit in Luft auf. Auch war das bis eben noch bestehende Fotoverbot plötzlich doch nicht mehr so wichtig. Als Dank und Erinnerung an ihn, durfte er freilich auch auf meinem Auto unterschreiben – was sein Chef anschließend ebenso für sich beanspruchte (Bild oben links). Ein deutsch sprechender Mosambikaner und Ingenieur, der nun in seinem Heimatland an der Grenze zu Zimbabwe als Zollbeamter arbeitet war unsere Rettung an diesem Tag.

Das anschließende Einreiseprozedere nach Zimbabwe war nicht so herzlich, dafür aber langwieriger. Thomas hatte dabei viel Spaß mit lustigen Telefonkarten-Händlern – lest hier weiter.

 

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