Europa im So-schnell-wie-möglich-Durchlauf

TapeTour-0173_1„Es ist ein bißchen seltsam zu sehen Deutsche in so eine uralte Auto …“, so die Begrüßung eines serbischen Mautbeamten – doch von vorn:

es war ein langer Tag. Er begann in München am 3.1. um 8:30Uhr und endete am 4.1. gegen Abend in Thessaloniki. Thessaloniki? Wollten wir nicht nach Lavrio und dort auf das Frachtschiff nach Israel? Ja – aber daraus wurde zunächst nichts.

 

TapeTour-0192_1 TapeTour-0160_2

Deutschland, Österreich, TapeTour-0237_1Slovenien, Kroatien – das ging zwar schnell, doch kamen wir nicht ganz so voran wie gedacht. Unser ursprünglicher geplanter Ausflug zu Sascha nach Ljubliana wurde kurzerhand gestrichen. Stattdessen organisierte Sascha den perfekten Boxenstop an einem Autobahnparkplatz nahe der Stadt. Für jedes Auto gabs eine Tüte Versorgungsgüter: Schokolade, Krapfen, Milch, Kaffee, Obst und so eine Art Zwiebel-Würstchen-Döner. Zwei Kanister Motoröl für den durstigen Micra hatte er ebenfalls dabei! Aus den Tiefen unseres Laderaums konnten wir ihm eine Kiste seines Lieblingsbiers als Dankeschön mitgeben. Unterschreiben durfte er freilich auch.

TapeTour-0243_2 TapeTour-0232_2

TapeTour-0269_1In Serbien erwischte uns dann eine kleine Pechsträne mit größeren Auswirkungen. Die erste größere Reperatur der Reise wurde fällig. Der weiße Micra wurde immer langsamer und langsamer und wollte dann gar nicht mehr so recht die Hügel hinaufkommen. Er lief nur noch auf zweieinhalb bis drei Töpfen und kam mit dem bergigen Teil Serbiens nicht so gut zurecht. Also erstmal anhalten, schauen und mit der Diagnose beginnen. Alle Kontakte wurden geprüft, Zündanlage, Zündverteiler, Zündkabel. Die Verteilerkappe zeigte leicht verschmodderte Kontakte – die wurden zuerst blankgeputzt. Auch der Verteilerläufer bekam einen Rundumputz. Dann alle Kabel mit Feuchtigkeit-verdrängendem Spary versehen und weiter gings. Doch schon bei der nächsten Steigung musste der Micra erneut kraftlos ausgeben, so war klar, dass es damit nicht erledigt war.TapeTour-Serbien-0260

Also wieder anhalten. Das nächste waren die Zündkerzen. Um deren Check drückten wir uns beim ersten Halt, da irgendwie der entsprechende Adapter für die Kerzen-Nuss fehlte. Manchmal kommt eben alles zusammen. Die Tankstelle vor Ort bot leider keinen Ersatz, so dass wir die Dinger irgendwie herausrödeln mussten. Micra zwei fuhr zwischendurch mit zwei Mann los zur nächsten Tanke um dort nach Ersatzwerkzeug zu schauen. Inzwischen ersetzten Andi und Martin „für alle Fälle“ Zündverteilerkappe und Verteilerläufer durch Neuteile. Auch das linke Vorderlicht wurde ersetzt – jenes war verantwortlich für die letzte unplanmäßige Verzögerung, als es den Grund für eine serbische Polizeikontrolle bot.

DCIM121GOPROZurück von Ersatzwerkzeug-Suche kamen Thomas und Patrick mit dem „fast dem richtigen Teil“ und dann ging dann das Gebastele los. Beide taten sich besonders kreativ hervor bei der Problemlösung. Diverseste Gepäck- und Werkzeugteile mussten als Verlängerung, Hebel und Frickelzusatz herhalten. Am Ende waren zwei von vier Kerzen draußen. Morgens halb drei in Serbien.

Kerze eins, total verkrustet, wurde sogleich ersetzt. Grund ist die wahrscheinlich leicht undichte Zylinderkopfdichtung, die vermutlich ebenfalls zuviel Öl in den Verbrennungsraum läßt. Eine Ersatzdichtung haben wir dabei, aktuell nur so gar keine Zeit diese zu wechseln. Daher kommen zunächst auf die Einkaufsliste: Kerzennuss Adapter / Verlängerung, eine Drahtbürste (zum Kerzen reinigen) und Motoröl. Nach erfolgter Reperatur geht es dann endlich wieder auf die Straße. Allerdings fahren wir nun etwas vorsichtiger bzw. langsamer weiter, um den kleinen Weißen etwas zu schonen und den Ölverbrauch in Grenzen zu halten. Unsere Höchstgeschwindigkeit beträgt -zudem auch leicht überladen und mit Dachaufbauten im Wind- übrigens nur zirka 90-100km/h.

TapeTour-0214_1 TapeTour-0271_1

ATapeTour-0307_1lles in allem brauchen wir so viel zu lange. Hinzu kommt die Information, dass wir für unseren Frachter, der laut Reederei „irgendwann am 5.1. startet“, bereits am 4.1. da sein müssen – und zwar am besten Vormittags! Grund sind Zollformalitäten, die leider zu keinem späteren Zeitpunkt vollzogen werden können. Bald war klar, dass wir dieses Schiff von Lavrio (Griechenland) nach Haifa (Israel) nicht schaffen werden. So entscheiden wir uns nach unserem 38-Stunden Tag in Thessaloniki erst einmal auszuschlafen. Da die gebuchte Route erst in einer Woche wieder befahren wird, soll es danach Richtung Türkei weitergehen um von dort alternative Fähroptionen zu checken. Der Bosporus ruft, Istanbul ist nicht weit.

There are 4 comments left Go To Comment

  1. schlegi /

    gar kein wort zu den unauffindbaren papieren 😉 und das dunkle vorderlicht machte doch auch schon probleme beim pressefoto zur abfahrt?! 😛

  2. Robert /

    Hi Andy,
    tut mir leid, dass es euch so ergangen ist.
    Wenn ihr Hilfe braucht schreibt mich per Mail an.
    Liebe grüße,
    Robert

  3. Pingback: Thessaloniki – Istanbul, Bosporus in mystischem Nebel | TapeTourAfrica /

  4. Pingback: Plunder, Planung & Pakete am Bosporus | TapeTourAfrica /

Leave a Reply